Montreal: Drei Tage in der Metropole Kanadas
„Wenn wir schonmal so weit da oben sind, dann können wir ja eigentlich auch mal nach Montreal fahren.“, meint mein Mann, als ich ihm die Reisepläne für unsere Neuengland Rundreise 2015 zeige. Nun ja, „nah dran“ ist in den weiten von Nordamerika ein dehnbarer Begriff. Aber ich habe noch ein paar Tage in der Reiseplanung offen und Montreal soll eine ganz tolle Stadt sein. Warum also nicht?
Und so fahren wir im August 2015 durch die endlosen Wälder von Main und Quebec vom Acadia Nationalpark nach Montreal in Kanada. Nach 550 km und 8 Stunden Fahrt kommen wir nachmittags in der Metropole an. Unser Hotel liegt mitten in der Stadt und verfügt über eine Tiefgarage. Dort stellen wir das Auto für die nächsten 3 Tage ab, checken ein und machen uns auf eine erste Erkundungstour in der Umgebung des Hotels.
In Kanada wird sowohl französisch als auch englisch gesprochen. Montreal liegt in der Provinz Quebec im französisch sprachigen Teil Kanadas. Die Menschen hier scheinen alle zweisprachig zu sein, denn sie wechseln in Sekundenbruchteil je nach Bedarf in die eine oder andere Sprache.
Mein erster Eindruck an dem Abend – der sich aber auch in den folgenden Tagen immer wieder bestätigt: ich habe selten eine Stadt erlebt, in der die Menschen so freundlich und hilfsbereit sind. Kaum steht man etwas fragend und suchend auf der Strasse, steht ein hilfsbereiter Mensch neben einem und fragt ob er helfen kann. Erst einmal in Französisch – und nach meinem irritierten Blick sofort auf Englisch.
Am nächsten Morgen bin ich bereit für meinen perfekten Tag in Montreal. Vom Hotel aus sind es nur drei Stationen und ich befinde mich mitten in der Altstadt von Monteal, Vieux Montreal. Direkt an der U-Bahnhaltestelle Place d’Armes gibt es einen Starbucks, wo ich mich für’s erste mit einem Kaffee eindecke. Das Frühstück muss noch etwas warten.
Vieux Montreal
Der Place d’Armes, der Waffenplatz, ist einer der ältesten Plätze in Montreal. Ich betrete den Platz von der U-Bahnstation kommend und mein erster Blick fällt auf die Basilique Notre-Dame. Zu meiner linken ragt Kanadas erster Wolkenkratzer gen Himmel. Und dann habe ich hier noch einen Geheimtipp für euch. Dreht euch um. Im Rücken seht ihr das Gebäude der Banque Nationale, der ersten Bank Kanadas. Das müsst ihr euch unbedingt von innen anschauen. Die Schalterhalle mit ihren Deckenverzierungen und Marmorsäulen ist grandios. Leider darf man hier aus Sicherheitsgründen keine Fotos machen.
Jetzt gehe ich weiter in Richtung der Basilique. Von außen sieht diese 1829 erbaute Kirche aus wie die kleine Version von Norte-Dame in Paris. Aber ihr müsst diese Kirche unbedingt auch von innen anschauen. Sie ist wirklich sehenswert: die Wände sind alle in dunkelblau gehalten, der Altar aus hellem Holz bildet einen tollen Kontrast dazu. Am Deckengewölbe leuchten Sterne aus 24 karätigem Gold.
Vom Place d’Armes geht die Erkundung der Altstadt weiter. Ich schlendere vorbei am Vieux Séminaire de Saint-Sulpice, dem ältesten steinernen Bauwerk in Montreal bis ich auf die Rue St. Paul treffe mit dem Place Royal treffe. Durch die kleinen Gassen der Altstadt geht es weiter bis zum Place Jaques Cartier. Dieser rechteckige Platz ist gesäumt von Cafés und Restaurants. In der Mitte stehen Bänke, wo man sich ausruhen kann. Dabei kann man den Straßenmusikern zuhören, die hier praktisch Schlange um vor den Menschen zu spielen. Ich setze mich in eins der Cafés in der Nähe und höre den Straßenmusikern zu. Sie spielen richtig gut.
Gegenüber dem Platz liegt der Vieux Palais der Justice und das Hôtel de Ville, also der alte Justizpalast und das Rathaus. Für die an Architektur interessierten: Das Rathaus ist ein Mix aus zwei Baustilen: der untere Teil ist Renaissance, der obere Teil mit seinem kupfernen Dach ist Beau-Art. Das Gebäude war in den 20er Jahren des letzten Jahres abgebrannt und in den Wiederaufbau wurden aktuelle Architekturtrends eingebracht.
Früher war der Marché Bonsecure eine Markthalle – kurzzeitig sogar das Rathaus der Stadt, heute ist es eine Shopping Mall mit ein paar hübschen Geschäften. Auf dem Weg zum Alten Hafen komme ich hier vorbei und schlendere einmal der Länge nach durch. In jedem zweiten Geschäft wird kanadischer Ahornsirup angeboten. Ich bin in Versuchung, lasse ihn dann aber doch stehen. Ist ganz schön teuer. Wieder aus dem Gebäude raus stehe ich direkt vor der Seefahrerkapelle Notre-Dame-de-Bon-Secours.
Mittlerweile ist es Mittag und ich würde mich gerne irgendwo ein wenig hinsetzen. Auch hier habe ich wieder einen Geheimtipp für euch: am Tour Horloge, dem Uhrenturm, gibt es einen kleinen Strand. Für ein paar Kanadische Dollars kann man sich hier mit einem kühlen Getränk in eine Liege legen, den Speedbooten auf dem Lorenzstrom zuschauen und dabei ein wenig chillen.
Le Village
Nach einer entspannten Mittagspause steige ich an der U-Bahnstation Champs-De-Mars wieder in den Untergrund um an der Station Baudry wieder auszusteigen. Von hier aus gehe ich zur Rue St. Cathérin in Le Village, auch als Gay Village bekannt. Die Straße liegt mitten im Schwulen- und Lesbenviertel der Stadt.
Ich bin hierher gefahren, um die „boules roses“, die rosa Schaumkugeln zu bewundern, die die gesamte Straße schmücken. Am schönsten ist der Abschnitt zwischen den U-Bahnstationen Papineau und Berri-UQAM.
Quatier Latin
Viktorianische Reihenhäuser, gestrichen in den unterschiedlichsten Farben, säumen den Carré-St-Louis im Quartier Latin.
Wer noch fit ist, sollte auf dem Weg zu diesem Platz unbedingt einen Abstecher nach rechts machen und bei La Banquise ein Poutine essen. Das sind Pommes Frites mit Bratensoße und mit Käse überbacken. Super lecker. In der Nähe ist ein kleiner Park, wo man sich gemütlich mit seiner fettigen Köstlichkeit hinsetzen kann. Aber vergesst die Servietten nicht.
Mont Royal
Natürlich darf bei einem perfekten Tag in Montreal auch der Besuch auf dem Hausberg der Stadt nicht fehlen. Auf dem 233 m hohen Hügel gibt es 5 Aussichtspunkte, den schönsten Ausblick hat man – finde ich – vom Chalet-du-Mont-Royal.
Wie kommt man zu diesem Aussichtspunkt hin? Entweder von der U-Bahnstation Mont Royal und dann mit dem Bus der Linie 11 den Berg hinauf, oder von der McGill Universität aus 250 Stufen hinauf zum Aussichtspunkt. Dreimal dürft ihr raten, wie ich den Berg hoch bin. Aber für den Abstieg habe ich tatsächlich die Treppen genommen.
Zum Abschluss dieses tollen Tages suchen wir uns ein nettes Restaurant im Stadtteil Mille Carré Doré, denn erstens gibt es hier ganz bezaubernde kleine Restaurants. Und zweitens liegt das Hotel direkt um die Ecke unseres Hotels.
Wir waren insgesamt drei Tage in Montreal. Ich habe viel mehr gesehen, als das was ich hier aufgeschrieben habe. Das waren meine absoluten Highlights. Montreal ist traumhaft schön. Ich habe selten eine Stadt besucht, in der so viele freundliche und hilfsbereite Menschen leben. Nehmt euch auf jeden Fall genug Zeit, das Flair dieser Stadt zu genießen. Wir haben es auf jeden Fall getan.
Übersichtskarte
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- Montreal bei Lonely Planet (englisch)
- Tourismus Montreal (englisch oder französisch)
- Da die Winter in Montreal lang und kalt sind, entstand die Idee, eine Untergrundstadt zu bauen. Mittlerweile ist diese Untergrundstadt ein 32 km langes Tunnelsystem. Hier gibt es einen Beschreibung dazu. Wir sind an der Christ Church in die Untergrundstadt gegangen.
Hier habe ich übernachtet schnipp
Wir haben im Novotel Montreal gewohnt. Die Lage des Hotels ist perfekt: 10 Minuten entfernt von der nächsten U-Bahnstation und 5 Minuten von schönen Restaurants und Einkaufsstraßen. Das Zimmer war schön und sauber. Gefrühstückt haben wir nicht im Hotel.
Hier habe ich gegessen
- Den ersten Abend haben wir im Hotel gegessen. Für mich gab es einen King Burger und Stefan hatte ein leckeres Filet Mignon.
- Reubens Deli ist ein Steakhouse. Hier hatte ich ein saftiges Stück Hähnchenbrust auf Kartoffelpüree und Stefan einen amtlichen Burger. Das Essen war lecker, allerdings war es im Restaurant dank der Klimaanlage ungemütlich kalt.
- Im Dundees Bar & Grill gab es für mich köstliche Linguine und Stefan hatte Lachs. Wir haben schön draußen gesessen.
- Am letzten Abend gab es den Overkill im Crescent Burger. Wir saßen auf einem Balkon, wo man sich kaum bewegen konnte, aber das war so kultig, das das total egal war. Stefan hatte einen Hangover Burger und ich hatte Poutine mit Pulled Pork. Göttliches Essen in einer tollen Stimmung.
Gut zu wissen
- Denkt bitte unbedingt daran, das ihr seit 2016 auch für die Einreise nach Kanada eine eTA – eine elektronische Einreisegenehmigung braucht. In diesem Artikel habe ich beschrieben, was man bei der Einreise beachten muss.
- Obwohl Montreal im französischsprachigen Teil Kanadas liegt, kann hier wirklich jeder perfekt Englisch.
- Die Nordamerikaner neigen dazu, ihr Restaurants auf Kühlschranktemperatur herunterzukühlen. Deshalb immer eine Strickjacke mit zum Essen nehmen.
- Tickets für die U-Bahn kann man in den Bahnhöfen kaufen. Wir hatten ein 3 Tagesticket, das vom Zeitpunkt der Entwertung an 3 aufeinanderfolgende Tage gültig idt
2 Comments
Edda Janßen
Das ist wieder mal ein interessanter Bericht über eine Deiner schönen Reisen.
Leider bin ich nicht so reiselustig, aber durch Dich und die vielen Erzählungen bekomme ich auch ein kleines bißchen von fremden Ländern und Kulturen vermittelt.
Mach weiter so!
Deine Mum
Heike
Vielen Dank für den lieben Kommentar. Da frag ich mich doch, von wem ich denn die Reiseleidenschaft eigentlich in die Wiege gelegt bekommen habe :-)